Luftbilder zeigen Baupläne und Wasserabwehr versunkener Dörfer

1) Urzeitsiedlungen Unterfeld

2) bronzezeitliche Siedlung als Handelsknoten

3) mittelalterliche Siedlung, vermutlich Langenthal

4) frühmittelalterliche Holzburg der Herren von Langenthal am Hausberg vermutet

5) mittelalterliche Siedlung Schorber mit Herrensitz

6) ehemalige Kirche St. Kilian

7)  Scherbenfunde - Siedlung vermutet

8) Siedlung oder spätere Ortsverlegung von Krales vermutet

9) NEU ENTDECKTES DORF Krales mit Erdhügelburganlage 

10) NEU ENTECKTES DORF  - vermutlich Unter-Abtsdorf mit Herrensitz

11) mittelalterliches Pfarrdorf (Ober-)Abtsdorf und  ehemalige neuzeitliche Wallfahrtskirche St. Sebastian samt Einsiedelei (Ödenkirchen)

12) mittelalterliches Partz im Langenthal

13) mittelalterlicher Ort Loidenbrunn mit NEU ENTDECKTER SIEDLUNGSZEILE

14) ehemaliger Standort des Galgens von Enzersdorf

15) NEU ENTECKTES DORF  - Name unbekannt, Flur Zeilerwiese

16) NEU ENTECKTES DORF  - vermutlich mittelalterliches Apaerdorf

 

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Überblickskarte alter Siedlungen, Dörfer, Holzburgen und Kirchen
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Direkt-Links zu den verschollenen Siedlungen

 Im Enzersdorfer, Glasweiner und Ernstbrunner Wald liegen zahlreiche Orte rund um das mittelalterliche regionale Zentrum Enzersdorf im Thale. Die Dörfer wurden vor über einem halben Jahrtausend verlassen und sind mit der Zeit verschwunden. Heute ist eine eindeutige Zuordnung oft nur mehr schwer möglich. Bei den Recherchen zu dieser Website wurden – mithilfe einer Analyse von Laserscan-Luftbildern – gleich mehrere Orte samt Wehranlagen, Feldern und Weingärten im Wald neu entdeckt.

     

Wenn rund um Enzersdorf Flurnamen wie „Hausberg“, „Hauswald“, „Hausboden“ oder gar "Edendorf", „Ödes Dorf“ und „Ödenkirchen“ bestehen, ist das in der Regel ein untrügliches Zeichen, dass hier einst Siedlungen (Häuser, Dörfer, Kirchen, Burgen aus Holz bzw. Motten) bestanden. Diese Namen wurden erst gegeben, als diese Orte bereits verlassen waren. Nur noch Haus- oder Mauerreste zeugten dann von den einstigen Behausungen. Die Namen dieser Siedlungen waren oft nicht mehr bekannt. Mit der Zeit überwucherte der Wald die Orte - oder die Flächen wurden von den Bauern der nächstgelegenen Dörfer als Äcker genutzt.

 

Etwas leichter wird die Zuordnung von Ortswüstungen, wenn Flurnamen konkrete Bezeichnungen von ehemaligen Siedlungen tragen, die vor zahlreichen Jahrhunderten urkundlich erwähnt wurden. Dazu gehören etwa Krales, Schorber, Partz oder Abtsdorf.

 

Einige alte Flurnamen sind aus den heutigen Karten verschwunden. Hier hilft ein Blick in alte Karten, die auch noch alte Wege und Wasserläufe ausweisen. Zu diesen wertvollen Karten gehören jene des franziszeischen Kartasters: Der Raum Enzersdorf wurde bereits im Jahr 1822 erstmals exakt vermessen und kartografiert. Dabei fällt auf, dass etwa Bereiche des heutigen Waldes Wiesen waren. Und zwar genau dort, wo sich einst Siedlungen wie Partz oder Abtsdorf (Ödenkirchen) und ihre Felder befanden.

 

Genaue Gründe für Verödungen unbekannt

 

Rund um den mittelalterlichen Markt und bedeutsamen regionalen Zentralort Enzersdorf im Thale samt steinerner Wasserburg sind jedenfalls zahlreiche Orte – vor allem im 15. Jahrhundert – verschwunden. Heute weiß niemand mehr, woran das lag. Mögliche Ursachen sind etwa laufende Überfälle, Kriege, Seuchen, Missernten, Hungersnöte, Überschwemmungen, ein steigender Grundwasserspiegel oder Übersiedlungen – etwa in den benachbarten Markt Enzersdorf. Er bot seinen Bewohnern eine Wasserfestung zum Schutz gegen Feinde, Arbeitsplätze und eine vollwertige handwerkliche und gewerbliche Infrastruktur – vom Arzt über den Schmied bis zur herrschaftlichen Bierbrauerei.

 

Im Weinviertel ging zumindest jeder vierte Ort im Mittelalter und in der Neuzeit unter. Allein auf dem Gebiet der heutigen Katastralgemeinde Enzersdorf sind zumindest sechs bis acht mittelalterliche Siedlungen bekannt, die verschwunden sind (siehe Karte oben).

 

Zur genauen Lage dieser versunkenen Orte gibt es vereinzelt archäologische Untersuchungen, teils sogar kostspieligere Grabungen. Oberflächenfunde, die beim Ackern aus der Tiefe nach oben befördert werden, sind dabei häufig – sofern nicht Wald über die einstigen Siedlungen gewachsen ist.

  

Laserscans zeigen Lage alter Dörfer

  

Andererseits hat der Wald dafür gesorgt, dass sich die Geländeerhebungen der mittelalterlichen Siedlungen bis heute erhalten haben, wenngleich sich darüber Boden gebildet hat und Mauerreste heute oft erst in 30 bis 50 Zentimetern Tiefe zu finden sind.

 

Heutige Technologien erlauben sogar Laien, einige dieser einstigen Orte ausfindig zu machen - etwa über die Online-Abfrage der Kartensammlung des Landes NÖ. Über die Darstellung der Geländehöhen werden ehemalige Einfriedungen der Häuser und Schutzwälle oder Gräben sichtbar. Das Onlineportal enzersdorf-im-thale.at gewährt seinen Lesern hiermit erstmals einen Blick auf noch erkennbare Haus- und Straßenpläne der vermuteten Orte Partz, Krales, Loidenbrunn und vermutlich von  Unter-Abtsdorf, Apaerdorf und einem namentlich unbekannten Dorf beim Waldteich.

 

Auch mit freiem Auge besonders gut erkennbar sind beispielsweise die vom Waldboden verdeckten Hausfundamente, Wall-Graben-Anlagen und der Burgberg von Krales. Bei der Auswertung der Laserscan-Pläne gebührt Gerhard Hasenhündl vom Museumsverein Hollabrunn besonderer Dank für seine Unterstützung.

 

Entflutungsanlagen rund um Dörfer gebaut

 

Eine wesentliche Entdeckung, die im Rahmen der Recherchen zu den versunkenen Dörfern für diese Homepage gemacht wurde, ist die Funktionalität der Außenanlagen der Siedlungen. Die Bauherren der mittelalterlichen Dörfer richteten sich bei der Ausrichtung der Orte stark nach den geografischen Gegebenheiten. Bedeutend war vor allem das Wasser. Es war nicht nur wichtig fürs Überleben (Quellen, Bach, Brunnen), sondern konnte auch zur großen Überschwemmungsgefahr werden.

 

Die Umgrenzung der mittelalterlichen Dörfer richtete sich daher nach der Fließrichtung des Regen- und Hangwassers. Das trifft auf die Orte in der hügeligen Gegend um Enzersdorf in besonderem Maße zu, da sich bei starkem Regen kleine Bäche bilden und in Richtung der Dörfer fließen.

 

Diese Entdeckung ist besonders dem guten Erhaltungszustand der beiden Ortswüstungen Krales und Unter-Abtsdorf zu verdanken. Demnach lässt sich das folgende Bild zum Entwässerungssystem hoch- und spätmittelalterlicher Dörfer zeichnen.

 

Extrabreite Gräben als Rückhaltebecken

 

In Fließrichtung des Wassers wurden sehr breite Gräben ausgehoben. Das Aushubmaterial wurde auf einer oder beiden Seiten der Gräben zu Wällen aufgeschüttet. Damit entstand ein Graben, der etwa ein bis zwei Meter tief und vier Meter (Krales) bis sechs Meter (Unter-Abtsdorf) breit war. Damit konnte  ein beachtliches Rückhaltebecken für Starkregenzeiten geschaffen werden. Auf den inneren Wällen wurden zudem üblicherweise hohe Holzzäune gegen Plünderer und wilde Tiere errichtet und dornige Hecken gepflanzt.

 

Auf schmäleren Angriffseiten der Regenbäche (etwa Südseite von Krales) konnten statt Gräben auch Wälle allein ausreichen, um das Wasser nicht ins Dorf zu lassen und zu den Gräben abzuleiten. Für die Festigung der Anlage sorgte der natürliche Grasbewuchs. 

 

 

Innerhalb des Dorfes fungierte meist die Dorfstraße als Entwässerungsgerinne. In der Regel lag sie tiefer als die Häuser oder es gab auf beiden Seiten der Straße Gräben, die das Wasser aus dem Dorf leiteten.

 

Wichtiger Hinweis: Raubgrabungen – also gezieltes Nachsuchen nach ortsfesten oder mobilen Bodendenkmälern – ist illegal! In der Regel werden sie unter Missachtung wissenschaftlicher Standards durchgeführt und zerstören den Quellenwert von Funden und Befunden. Wer zufällig auf Bodenfunde stößt, muss diese laut Denkmalschutzgesetz melden – etwa bei Polizei, Gemeinde, Bezirkshauptmannschaft oder Bundesdenkmalamt.

Über das mittelalterliche Dorf Krales war bislang wenig bekannt. Nicht einmal die genaue Lage war überliefert. Aktuelle Laserscanbilder lüften nun das Geheimnis: Der Ort hatte einen Herrensitz, der sich auf einem künstlich aufgeschütteten Plateauhügel befand. Die Holzburg wurde zusätzlich durch einen  tiefen Graben geschützt. Rund ums Dorf befand sich ein Schutzwall.

So lebten die Menschen damals

Blick auf die Wall-Graben-Wall-Anlage von Krales
Blick auf die Wall-Graben-Wall-Anlage von Krales
Dieses Bild wurde mitten im Graben um Krales aufgenommen. Links und rechts sind noch die Wälle sichtbar, die ein vier Meter breites, flaches Becken bilden. Der Graben war früher tiefer.
Dieses Bild wurde mitten im Graben um Krales aufgenommen. Links und rechts sind noch die Wälle sichtbar, die ein vier Meter breites, flaches Becken bilden. Der Graben war früher tiefer.