Versunkene Dörfer mit Hochwasserschutz, Erdhügelburg & Weinbergen entdeckt

Es ist eine kleine Sensation. Trotz der intensiven Forschungen in den 1980-er Jahren sind nun fünf neue Siedlungen im Wald rund um den mittelalterlichen Markt Enzersdorf im Thale aufgetaucht. Sie verödeten vor rund 500 bis 800 Jahren und waren mit Wehranlagen umgeben, die sogar schon Hochwasserschutzsysteme integriert hatten. Unter den neu entdeckten Orten befindet sich etwa das alte Krales, wo die einstige Erdhügelburganlage  bis heute erhalten blieb (Bild: Rekonstruktion aus Deutschland). Entdeckt wurde auch das verschollene Unter-Abtsdorf, wo die Terrassen eines Weinberges im Wald erkennbar sind. Tauchen Sie hier in diese versunkene Welt ein!


NEU: Führung durch Krales geplant

Wegen der vielen  Anfragen ist für Herbst 2017 oder Winter 2017/18 eine Experten-Führung durch den versunkenen Ort Krales geplant. Nur in der kalten Jahreszeit erlaubt die Vegetation gute Einblicke in die erhaltenen Strukturen der Dorf- und Burganlage. Wer Interesse hat, kann hier seine Kontaktdaten (Name und E-Mail-Adresse) unverbindlich bekanntgeben oder sich gleich zum Newsletter anmelden. Sobald ein Termin feststeht, folgen nähere Informationen. 


Willkommen in der Dorfgemeinschaft Enzersdorf im Thale - Kleinkadolz


Mystisches Waldgebiet der versunkenen Dörfer

   
Mitteleuropas größter Eichenmischwald liegt nördlich von Wien - im Herzen des niederösterreichischen Weinviertels. Das beliebte Naherholungsgebiet mit seinen seltenen Pflanzenarten und seiner Tiervielfalt hat viele Namen - wie Ernstbrunner Wald,  Ödenkirchner Wald, Glasweiner Wald, Enzersdorfer Wald, Mugler Wald  oder Hollabrunner Wald. Es erstreckt sich vom Naturpark Leiser Berge bei Ernstbrunn über Großmugl und Enzersdorf im Thale bis nach Hollabrunn. Doch das war nicht immer so. Dieses Waldgebiet sah im Mittelalter völlig anders aus.
  
Zwischen Enzersdorf und Ernstbrunn - entlang des Göllersbaches bzw. der heutigen Straße B40 - gab es etwa über weite Strecken Felder, Weingärten und Dörfer. Bis zum 15. Jahrhundert waren jedoch all diese Orte versunken - also verschwunden. Die genauen Gründe dafür sind unbekannt. Nur urkundliche Erwähnungen, Erzählungen, noch erkennbare Wallanlagen, Mauer- und Brunnenreste und Oberflächenfunde auf den angrenzenden Feldern sowie archäologische Ausgrabungen halfen, einige dieser Ortswüstungen und sogar eine Erhügelburg (Motte) wissenschaftlich zu identifizieren und zu rekonstruieren.  
    
Allein in einem Radius von vier Kilometern rund um Enzersdorf im Thale, das mit Kleinkadolz baulich und gesellschaftlich zusammengewachsen ist, gibt es zumindest sieben mittelalterliche verödete Dörfer - wahrscheinlich sogar mehr.
       
Eine bedeutende bronzezeitliche Siedlung liegt zudem etwa 500 Meter westlich des heutigen Ortskernes von Enzersdorf. Sie dürfte um 1.100 v. Chr. als Handelsknoten fungiert haben und beherbergte auch einen Bronzeschmied. Ältere Funde datieren um die Jahre 1.600 und 2.000 v. Chr.
         
Enzersdorf selbst hat historische Bedeutung für Niederösterreich. Hier stand einst eine Wasserburg - der Stammsitz der Ritter von Enzersdorf. Die Familie hat einige "Enzersdorfe" gegründet und hatte hier ihre Wurzeln. Zu den Ortsgründungen werden von Historikern unter anderem auch Enzersdorf/Fischa und Langenzersdorf gezählt.
          
Heute gehören die Dörfer Enzersdorf im Thale und Kleinkadolz zur Gemeinde Hollabrunn. Die im Wald gelegenen Orte Schloss Glaswein und Forsthaus Ödenkirchen gehören zur Pfarre Enzersdorf und sind historisch eng verbunden. Die reiche Geschichte ist nach wie vor spürbar.
   
Die Online-Plattform enzersdorf-im-thale.at soll die Historie sichtbarer werden lassen  und Lust machen, die malerische und hügelige Waldgegend mit dem Göllerbach-Quellgebiet, Seen, markanten historischen Gebäuden und Dörfern zu erkunden.                   


So sah die alte Wallfahrtskirche aus

Niemand weiß mehr, wie die ehemalige Waldkirche beim Forsthaus Ödenkirchen vor über 200 Jahren aussah. Besucher der Online-Plattform enzersdorf-im-thale.at erfahren sogar die genaue Lage der angeschlossenen Einsiedelei. MEHR

  

Legende um Glaswein nur bedingt richtig

Maria Theresia soll bei einem Jagdausflug den Bau von Schloss Glaswein mitten im Wald angeregt und den Namen gegeben haben. Doch diese Geschichte hat einen Haken – und das Schloss war auch nicht das erste Gebäude an dieser Stelle. MEHR

  

Über 3.000 Jahre alter Handelsknoten

In der Bronzezeit gab es bei Enzersdorf im Thale bereits eine erste Serienproduktion von Waffen, Schmuck und Geräten. Das hat die Analyse eines riesigen Bronzedepot-Fundes  mit 39 Kilogramm Gesamtgewicht ergeben. MEHR

  

Einwohnerzahl stark gewachsen

Enzersdorf im Thale und Kleinkadolz erfreuen sich wachsender Beliebtheit. In den vergangenen 15 Jahren stieg die Zahl der Einwohner um stolze 17 Prozent auf 359 Personen. Dazu kommen weitere 72 Zweitwohnsitzer. MEHR