Die Legenden zur Entstehung von Schloss Glaswein stimmen nur bedingt

Schloss Glaswein, Enzersdorf im Thale
Schloss Glaswein ist bewohnt und kann nicht besichtigt werden

Vorgängergebäude. Das imposante Schloss Glaswein liegt südlich von Enzersdorf im Thale in der Katastralgemeinde Glasweinerwald. Es gehört zur Gemeinde Großmugl und wegen der Nähe und historischen Verbindung zur Pfarre Enzersdorf. Schon 1706 ließen die Sinzendorfer Grafen an der Stelle des heutigen Schlosses eine Schweizerwohnung samt Viehstall und Stadel für einen Jäger errichten. Das Gebäude wurde im Laufe der Zeit um einige Zimmer und einen  Pferdebrunnen erweitert.

 

Von 1762 bis 1769 ließ Wenzel Graf von Sinzendorf an dieser Stelle Schloss Glaswein erbauen (er hat 1758 die Herrschaft Enzersdorf und 1762

auch noch Ernstbrunn und Steinabrunn gekauft). Mit dem Schloss hätte Kaiser Franz bei einer Jagd überrascht werden sollen - er starb aber vorher (1765).

 

Legende. Der Name „Glaswein“ rührt der Legende nach davon her, dass seine Errichtung bei einem Glas Wein beschlossen wurde. Eine andere Geschichte erzählt, dass die Volkskaiserin Maria Theresia (1717-1780) hier im Walde jagte und plötzlich Durst verspürte, doch gab es keine Getränke weit und breit. Damit dies nie wieder passieren könnte, ließ Graf Sinzendorf an dieser Stelle ein Jagdschloss erbauen. Eine dritte Geschichte erzählt, dass Maria Theresia bei einem Jagdausflug an dieser Stelle ein Glas Wein genossen hat und dabei sagte: "Das ist aber ein gutes Glas Wein." Daraufhin soll das Schloss gebaut worden sein und den Namen Glaswein erhalten haben.

 

Auf einem Fresko im Schloss ist die junge Maria Theresia zu sehen. Sie dürfte also tatsächlich bei einem Ausflug hier unterwegs gewesen sein. Allerdings findet sich die Ortsbezeichnung bereits 1673 in einem Grenzdokument. Woher der Name also wirklich stammt, ist bis dato unbekannt.

 

Nachfolger der Sinzendorf waren die Grafen von Fünfkirchen und 1831 die Freiherren von Bartenstein, von denen das Schloss 1850 an Max Josef Freiherrn von Vrints-Berberich gelangte. Seine Nachkommen vererbten es an die Seuter von Lötzen. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Schloss beträchtliche Schäden, doch wurden diese bis 1954 wieder behoben. Die jetzige Eigentümerfamilie Brandis ließ das Gebäude originalgetreu restaurieren.

 

Barockschloss. Es handelt sich um ein zweigeschossiges Barockschloß, das mit seinen eingeschossigen Nebengebäuden einen geräumigen Hof begrenzt. Mit seinem hohen Walmdach und der vielfenstrigen Gartenfassade ist es ein schönes Beispiel der barocken Schloßbaukunst in Niederösterreich. Der dreiachsige Mittelrisalit der Schauseite wird durch einen Balkon mit Rokoko-Schmiedeeisengitter betont und von einem Dreiecksgiebel mit dem Wappen der Vrints abgeschlossen. An ihn schließen rechts und links je sechs Fensterachsen an.

 

Als Jagdschloß war Glaswein ursprünglich nur zur vorübergehenden Benutzung im Sommer gedacht. Dafür ist es aber prächtig ausgestattet und recht geräumig. Schon die barocke Prunkstiege mit ihren als Laternen ausgebildeten Vasenaufsätzen lässt eine interessante „Belle Etage“ vermuten. Sie führt zum Großen Salon, der 1769 von Johann Franz Greipel mit Wandgemälden, die das Landleben verherrlichen, geschmückt wurden.

 

Prunkvoll ausgemalt. Es handelt sich dabei um Ölmalereien auf geglättetem Putz. Die Decke des Großen Salons zeigt die Diana, die Göttin der Jagd, mit ihrem Hundewagen. Zu beiden Seiten dieses Hauptsaales befinden sich je zwei weitere Salons. Auch sie sind mit Wandbildern, allerdings nicht so hoher künstlerischer Qualität, geschmückt. Diese in einer Mischtechnik (fresco/secco) ausgeführten Malereien zeigen Darstellungen der vier Erdteile, Jagdszenen und orientalische Sujets.

 

Besonders amüsant sind die Fresken im indianischen Kabinett, da der Maler weder in Amerika noch in Afrika war und die Fauna etwas durcheinanderbrachte. Ein kleines Kabinett ist mit stimmungsvollen Illusionsmalereien als Gartenlaube dargestellt. Im Nordtrakt des Schlossareals liegt die Kapelle.

 

Quellen: http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=16, abgfragt am 22.11.2016

Weichselbaum, Josef (1993): Heimatbuch von Enzersdorf/Th.

und Kleinkadolz. Eigenverlag: Kleinkadolz

Maria Theresia von Österreich und Franz Stephan von Lothringen im Kreise ihrer Kinder. Der zukünftige Joseph II. steht mitten im Stern. Das Bild stammt von Martin van Meytens um 1755 und ist in Schloss Schönbrunn zu sehen. Quelle: wikimedia
Maria Theresia von Österreich und Franz Stephan von Lothringen im Kreise ihrer Kinder. Der zukünftige Joseph II. steht mitten im Stern. Das Bild stammt von Martin van Meytens um 1755 und ist in Schloss Schönbrunn zu sehen. Quelle: wikimedia
Schloss Glaswein, Enzersdorf im Thale
Wappen der Grafen von Sinzendorf